Welpen füttern - die 13 wichtigsten Fragen und Antworten

zuletzt aktualisiert am 1. April 2022

Warum eine gute Ernährung bei Welpen und Junghunden unglaublich wichtig ist, durfte ich in meiner Zeit in der Tierklinik erfahren: In unserer orthopädischen Sprechstunde betreuten wir regelmäßig Hunde, bei denen die Ernährung nicht glatt gelaufen war. Damals habe ich Schadensbegrenzung betrieben.

Heute ist es mir ein Anliegen, dass es garnicht so weit kommt. Deshalb beantworte ich in diesem Artikel die wichtigsten Fragen zum Thema “Welpen füttern”.

1. Warum muss ein Welpe anders ernährt werden als ein ausgewachsener Hund?

Die Ernährung des Welpen und Junghundes legt den Grundstein für ein gesundes Leben. In der Wachstumsphase braucht der Welpe deutlich mehr Nährstoffe als ein ausgewachsener Hund - es ist schließlich alles im Aufbau: Skelettsystem, Gehirn, Haut, Fell und Muskeln.

Damit hier alles wie geplant läuft, muss die Ernährung die alle wichtigen Nährstoffe bereit stellen: Energie, Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine.

Ein Hund ist deutlich schneller ausgewachsen als wir Menschen- nämlich schon nach 8-12 Monaten, bei sehr großen Rassen nach bis zu 24 Monaten. Deshalb müssen innerhalb kürzester Zeit deutlich mehr Nährstoffe bereit gestellt werden.

Das bedeutet jedoch nicht: “Je mehr desto besser” - im Gegenteil: auch zu viel von bestimmten Nährstoffen oder Energie kann zu Wachstumsstörungen und Folgeerkrankungen führen. 

Zu den Energie- und Nährstofflieferanten zählt nicht nur das Hauptfutter, sondern alles, was in das Maul des Welpen wandert: Leckerli, Dinge vom Tisch, Kauartikel usw.. 

2. Wodurch wächst mein Welpe zu schnell und wie kann ich es verhindern? Oder: warum Protein Welpen nicht zu schnell wachsen lässt.

“Zu viel Protein lässt Hundewelpen zu schnell wachsen!”. Das ist eine Aussage, die mir in der Ernährungsberatung regelmäßig begegnet - und das alles wegen einer falsch interpretierten Studie1 aus dem Jahr 1974. 

Hierbei bekamen Deutsche Doggen im Wachstum deutlich mehr Energie, Protein, Calcium und Phosphor gefüttert, als empfohlen. 

Das Resultat: massive Wachstumsstörungen und Schäden am Skelettapparat. Zum Glück sind solche Studien heutzutage nicht mehr erlaubt.

Im Jahr 1991 wurde eine weitere Studie2 durchgeführt, um den Effekt von verschiedenen Proteingehalten in Welpenfutter bei gleicher Energie zu untersuchen. Das Ergebnis: Hohe Proteingehalte führen nicht zu zu schnellem Wachstum. Mittlerweile weiß man, dass es eine zu hohe Energieaufnahme ist, die Welpen zu schnell wachsen lässt - und nicht das Protein. 

Aus diesem Grund wird es oft empfohlen, wachsende Hunde schon frühzeitig auf Erwachsenenfutter umzustellen - ein Fehleinschätzung mit schwerwiegenden Folgen.

3. Wann soll ich meinen Welpen auf Adultfutter umstellen?

In der Ernährungsberatung habe ich oft Hunde, die schon mit zehn oder gar sechs Monaten auf ein Futter für erwachsene Hunde umgestellt werden.

Dies ist ein Fehler. Ich verstehe den Gedanken- er ist aber nicht richtig zu Ende gedacht: Die Welpen sollen nicht zu viel Energie bekommen.

Oftmals- aber auch nicht immer! - erfüllt Futter für erwachsene Hunde dieses Kriterium.

Eine ganz entscheidende Sache wurde aber vergessen: die Nährstoffe. 

Diese sind im Adultfutter eben nicht in den richtigen Mengen enthalten und so kann es zu einer Fehlversorgung kommen.

Ein Junghund mit einem Gewicht von 21 kg und einem Endgewicht von 32 kg benötigt fast 5700 mg Calcium am Tag, ein erwachsener Hund mit diesem Gewicht nur 1275 mg Calcium. Das ist ein großer Unterschied - Calcium ist nur einer von vielen Nährstoffen, es geht auch um Aminosäuren, Fettsäuren, viele Mineralstoffe und Vitamine.

Wann ein wachsender Hund auf ein Futter für ausgewachsene Hunde umstellt werden soll? Das hängt von seinem Endgewicht ab.

Endgewicht in kgUmstellung mit 
unter 10 kg8-10 Monaten
10-20 kg 10-12 Monaten
20-40 kg12- 15 Monaten
40-50 kg15-18 Monaten
über 50 kg18-24 Monaten

4. Wie weiß ich, dass mein Hund im richtigen Tempo wächst?

Die beste Möglichkeit um die Wachstumsgeschwindigkeit des Welpen oder Junghundes zu beurteilen, ist eine Wachstumskurve mit dem passenden Endgewicht.

Idealerweise sollte man die Hunde in der ersten Wachstumsphase wöchentlich wiegen und die Zunahmen in der passenden Kurve abgleichen.

Sein Ernährungszustand ist dagegen kein gutes Mittel zur Einschätzung des Wachstums. Denn gerade Hunde, die zu schnell gewachsen sind, sind oftmals dünn. 

5. Was mache ich, wenn mein Welpe zu dünn ist?

Hier möchte ich gleich zu Beginn auf einen hartnäckigen Mythos eingehen: “Wenn ein Welpe zu viel Energie bekommt, wird er dick”

In Wirklichkeit wird ein Hund, der im Wachstum zu viel Energie bekommt, nämlich nicht zu dick, sondern zu groß und schlaksig. Ein Fehler wäre hier, mehr zu füttern, denn in Wirklichkeit braucht der Hund genau das Gegenteil: weniger Futter.

Wenn man den Eindruck hat, dass der Welpe zu dünn ist, sollte man folgende Punkte prüfen:

  • Liegt der Welpe/Junghund gut in der Wachstumskurve? Wählen Sie hierzu eine Wachstumskurve für das Endgewicht Ihres Hundes aus und tragen Sie sein aktuelles Gewicht ein. 
  • Ist Ihre Einschätzung des Ernährungszustandes richtig? In unserem Alltag sehen wir oft zu dicke Hunde- dies wird in unserer Wahrnehmung zu dem “Normalgewicht”. Ein wachsender Hund sollte jedoch nochmal etwas dünner sein, als ein ausgewachsener Hund. Man darf die Rippen des Hundes sehen.

Wenn Ihr Hund nicht zu groß, sondern wirklich zu dünn ist, kann die Energie der Ration vorsichtig erhöht werden. Wichtig ist hierbei jedoch, dass es nicht zu einer Überversorgung von Calcium und Phosphor kommt. Idealerweise wird dies von einem qualifizierten Hundeernährungsberater geprüft.

6. Welche Nährstoffe braucht mein Welpe im Wachstum?

Das sind mit Abstand Calcium und Phosphor. Hier spielen nicht nur die Mengen eine Rolle, sondern auch das Verhältnis zueinander. Ideal ist das Verhältnis von Calcium zu Phosphor von 1,3-1,5 zu 1. Das bedeutet 1,3-1,5 mal mehr Calcium als Phosphor. 

Wichtig zu wissen: Leckerli wie getrocknetes Fleisch oder Kauartikel sind vor allem Phosphorlieferanten.
Deshalb kann ein Zuviel davon das Calcium-Phosphor-Verhältnis verschieben. Eine Folge hiervon kann sein, dass das Calcium nicht richtig in die Knochen eingebaut werden kann.

Bei der Versorgung von Calcium und Phosphor muss der Bedarf gedeckt werden, aber es gilt nicht: “Viel hilft viel” - im Gegenteil.

Zu viel Calcium und Phosphor können zu Fehlentwicklungen des Skelettapparats führen. Deshalb sollte die Versorgung für jeden Hund individuell geprüft werden.

7. Wie stelle ich die Ernährung meines Welpen um?

Ganz wichtig: langsam. Denn eine abrupte Futterumstellung kann zu Durchfall führen. Meinen Kunden empfehle ich eine Umstellung über mindestens 6 Tage, bei Bedarf gerne etwas länger.

Hierbei füttert man vom alten Futter immer weniger und vom neuen Futter zunehmend mehr:

1.+2.Tag:Ein Viertel der neuen und drei Viertel der alten Ration
3.+4.Tag:Jeweils die Hälfte der Rationen
5.+6. Tag: Drei Viertel der neuen und ein Viertel der alten Ration

Bei empfindlichen Hunden kann die Anzahl der einzelnen Tage auf je vier erhöht werden.  Während der Umstellungszeit kann die Kotkonsistenz schwanken, solange Ihr Hund aber keinen Durchfall bekommt, ist dies unbedenklich. Sollte ihr Welpe Durchfall bekommen, wenden Sie sich bitte an Ihren Tierarzt.

8. Wie oft soll ich meinen Welpen füttern?

Die Fütterungshäufigkeit bei Welpen und Junghunden sollte an ihr Alter angepasst werden.

 AlterMahlzeiten pro Tag
Welpenbis zum 4. Monat4
Junghundeab dem 4. Monat3
Junghunde kleiner Rassenab dem 7. Monat2
Junghunde großer Rassen (ab 20 kg)ab dem 9. Monat2

9. Welche Fütterungsart ist die beste für Welpen?

Ein ganz klares “Es kommt darauf an”. Das wichtigste ist mit Abstand die Nährstoffversorgung und die Energiezufuhr. Die Deckung des Nährstoffbedarfs ist grundsätzlich bei allen Fütterungsarten möglich: Kochen, Barfen oder auch Fertigfutter.

Ob es individuell der Fall ist, sollte durch eine Rationsberechnung geprüft werden- eine Blutuntersuchung ist hier nicht aussagekräftig.

10. Barfen beim Welpen- geht das?

Ja, es geht und zwar unter einer Voraussetzung: mit der Rationsberechnung eines qualifizierten Hundeernährungsberaters, nämlich einem spezialisierten Tierarzt, einer spezialisierten Tiermedizinischen Fachangestellten oder Ernährungswissenschaftlerin. 

Ein Rechner im Internet oder der Rat von Gurus, die keinerlei wissenschaftliche Qualifikation haben, ist hier keine gute Wahl.

Darüber hinaus sollte man sich über die möglichen Risiken des Barfens informieren und für sich entscheiden, ob man sie eingehen möchte. Hierbei spielt es auch eine Rolle, ob kleine Kinder oder immungeschwächte Menschen Kontakt mit dem Hund haben.

11. Welche Fleischsorte ist die gesündeste für meinen Welpen?

Es gibt nicht “die eine gesunde Fleischsorte”. Einer der wichtigsten Ratschläge, den ich Ihnen geben kann, ist: Füttern Sie nicht alle Fleischsorten, die Sie kriegen können. 

Wählen Sie stattdessen 2-3 Sorten aus und heben Sie sich die anderen auf, falls Sie mal eine Ausschlussdiät machen müssen. Wenn Ihr Hund ein gutes Futter bekommt, braucht er in Bezug auf die Fleischsorte keine Abwechslung. Natürlich freut sich auch meine Hündin Dobbie über etwas Abwechslung im Napf- aber wir lassen beispielsweise Sorten wie Pferd, Strauß, Känguru, Ente, Lamm und Schwein weg.

Das Gleiche gilt übrigens für Kohlenhydratquellen.

12. Welche Nahrungsergänzungsmittel sind gut für meinen Welpen?

Hier wäre eher die Frage: welche nicht? Wenn Sie ein Alleinfuttermittel füttern, sollten Sie keine weiteren Mineral- oder Vitaminpulver hinzugeben- auch wenn das bei großen Rassen oft empfohlen wird. 

Achtung: Auch Leckerli enthalten manchmal zugesetzes Calcium und Phosphor. Sie erkennen das beispielsweise an der direkten Bezeichnung, aber auch unter dem Begriff “Mineralstoffe” können sie sich verbergen. Auch Eierschalen, Algenkalk oder Knochenmehl sollten nicht ohne Überprüfung der Nährstoffversorgung gefüttert werden.

Präparate wie Grünlippmuschel bei großen Rassen haben laut aktuellem Stand der Wissenschaft wohl keinen klaren Vorteil, aber auch keinen Nachteil.

13. Was darf ich meinem Welpen nicht füttern?

Giftiges und Ungeeignetes für den Hund im Allgemeinen, nicht nur für Welpen und Junghunde:

Rohes Eiklar
- Avidin 
hemmt die Aufnahme des B-Vitamins Biotin und kann so zu einem Mangel führen. Biotinmangel kann zu Hautproblemen, sprödem Fell und Haarausfall führen. 
SchlundSchilddrüsengewebe, das am Schlund anhaftet, enthält Hormone und kann so zu Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Schon sehr geringe Mengen können hier negative Auswirkungen haben. 
Rohes Schweinkann den tödlichen Aujetzkyvirus übertragen. Gilt auch für getrocknete Produkte wie Schweineohren. Gekochtes Schweinefleisch ist ungefährlich.
Schokolade
- Theobromin
je höher der Kakaogehalt, desto höher ist der Theobromingehalt. 20g/ Kilogramm Körpergewicht können hier tödlich sein.
MacadamianüsseSymptome können Steifheit, Probleme beim Laufen, sowie Leberschädigung sein. 
Obstkerne
- Blausäure und Cyanide
enthalten in u.a. Aprikosen, Pflaumen, Pfirsichen. Können zu Atemstillstand führen. 
Knoblauch
- Alizin
Alizin kann eine Zerstörung der roten Blutkörperchen bewirken und so Blutarmut auslösen. 
Zwiebelgewächse
- N-Propyldisulfid
Die in Zwiebelgewächsen enthaltenen Schwefelverbindungen können zur Anämie führen. Betroffen sind hier verschiedene Zwiebelsorten wie Frühlingszwiebeln und klassische Gemüsezwiebeln, aber auch Lauch und Schnittlauch. Achtung: Wird gerne in Gemüsemischungen verwendet. 
Xylitist in Bonbons, Zahnpasta und Kaugummis enthalten. Führt zu Leberschaden und starken Abfall des Blutzuckerspiegels und potentiell zum Tod.

Quellen

1 Hedhammar A, Wu FM, Krook L, Schryver HF, De Lahunta A, Whalen JP, Kallfelz FA, Nunez EA, Hintz HF, Sheffy BE, Ryan GD. Overnutrition and skeletal disease. An experimental study in growing Great Dane dogs. Cornell Vet. 1974 Apr;64(2):Suppl 5:5-160. PMID: 4826273. : https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/4826273/

2 Nap RC, Hazewinkel HA, Voorhout G, Van den Brom WE, Goedegebuure SA, Van 'T Klooster AT. Growth and skeletal development in Great Dane pups fed different levels of protein intake. J Nutr. 1991 Nov;121(11 Suppl):S107-13. doi: 10.1093/jn/121.suppl_11.S107. PMID: 1941203. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1941203/